Null Toleranz bei Antisemitismus und Rassismus

Problematik von Antisemitismus und Rassismus: der Präsident des Zentralrats der Juden Dr. Josef Schuster beschreibt die Problematik.

Mit der Rubrik „Vier Fragen an …“ möchten wir unterschiedliche Meinungen und Einstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln zum Thema Zivilcourage vorstellen und haben eine ganze Reihe an wichtigen Partnern und Experten befragt. Heute: : Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. 

 

  1. Was ist ein ziviler Held für Sie? Was macht für Sie einen zivilen Helden aus?

Ein ziviler Held ist für mich jemand, der die Hand reicht, wo niemand hilft. Aufzustehen, wenn andere sitzen bleiben, laut zu sein, wenn andere schweigen. Einzugreifen, wenn niemand handelt. So wie z.B. die Hamburgerin Janina Levy, die einschritt, als im April 2018 ein Kippa tragender junger Mann auf offener Straße in Berlin angegriffen wurde. Sie vertrieb die Täter und kümmerte sich um das Opfer. Diesen Mut wünsche ich uns allen.

 

  1. Was verstehen Sie unter Zivilcourage?

Zivilcourage ist für mich, Position zu beziehen, eine klare Haltung gegen Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu zeigen. Ob im Alltag, im Beruf, im Studium, in der Familie oder auf der Straße – Hass, Hetze und Gewalt stets eine klare Absage zu erteilen und an der Seite der Opfer zu stehen.

 

  1. Warum ist Zivilcourage für unsere Gesellschaft so wichtig?

Politik und Justiz können nur die Rahmenbedingungen für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander setzen. Demokratie mit Leben füllen, das müssen wir schon selber machen. Wenn Antisemiten, Rechtsextremisten oder anderen Feinden der Demokratie nicht widersprochen wird, keine klaren Grenzen aufgezeigt werden, dann zerstören sie unser Gemeinwesen Stück für Stück. Deshalb ist es so wichtig, auch auf der Straße den Antidemokraten jeglicher Couleur jederzeit zu zeigen: Ihr seid nicht die Mehrheit, euer Hass bleibt wirkungslos! Ihr macht unser Land nicht kaputt.

 

  1. Was würden Sie sich von den Menschen in Bezug auf Zivilcourage wünschen?

Ich möchte, dass wir uns nicht nur gegen etwas engagieren, sondern auch für etwas. Für Demokratie, Menschenrechte und eine offene und tolerante Gesellschaft, dass wir Brücken zueinander bauen und gemeinsam gegen Antisemitismus und Rassismus vorgehen. Es gibt keinen guten Antisemitismus – egal, ob er von rechts oder von links kommt. Ob er sich aus christlichen oder muslimischen Milieus speist oder unter dem Deckmäntelchen der Israelkritik daher kommt. Hier darf es null Toleranz geben. Den Kampf gegen Antisemitismus müssen sich alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gleichermaßen zu eigen machen.

Von Günther B.

Der Zentralrat der Juden im Netz: www.zentralratderjuden.de

 

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