Wir dürfen Opfer nicht alleine lassen

Irene Durukan hat den XY-Zivilcouragepreis für ihren Mut gewonnen

Mit der Rubrik „Vier Fragen an …“ möchten wir unterschiedliche Meinungen und Einstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln zum Thema Zivilcourage vorstellen und haben eine ganze Reihe an wichtigen Partnern und Experten befragt. Heute: Irene Durukan. Sie hat 2008 den XY-Zivilcouragepreis gewonnen und ist 1. Vorsitzende im Verein „Mut & Courage Bad Aibling e. V.“

1.) Was ist ein ziviler Held für Sie? Was macht einen zivilen Helden?

Opfer brauchen unsere Hilfe, wir sollten sie nicht allein lassen. Für mich sind sie mutiger als viele Menschen, die ich sonst kenne. Es ist mutig nachdem du fällst wieder aufzustehen und weiterzumachen.  Es ist mutig sich professionelle Hilfe zu holen. Ein ziviler Held ist ein Mensch, der hinschaut, der handelt – da ist Minimum die Polizei anzurufen. Es gibt Situationen im Leben da gibt es „peinlich“ nicht. Wenn du Zivilcourage zeigst, nimmst du den eigenen Schaden in Kauf. Wenn du Wegschaust, musst du den Rest deines Lebens damit klar kommen.

2.) Welche Erfahrung haben Sie mit zivilcouragierten Verhalten gemacht?

Ich bin mutiger geworden und aufmerksamer. Jedes Mal, wenn Sebastian (Opfer Schlägerei 2007) und ich uns begegnen, bin ich froh, dass er lebt und ich helfen konnte. Es hat dazu geführt, dass ich mich im Verein Mut & Courage Bad Aibling ehrenamtlich engagiere, um Menschen zu couragierten Verhalten zu motivieren.

3.) Wie können Menschen erreicht werden, sich für Toleranz und Demokratie einzusetzen?

Kreative und aktive Projekte, das „Wir-Gefühl“ stärken, Zivilcouragetrainings, Informationsabende, Workshops

4.) Ist zivilcouragiertes Handeln heute besonders wichtig? Warum?

Wir erleben bedenkliche Strömungen in unserer Gesellschaft, die Diskriminierung, Unterdrückung und Ausgrenzung anwenden, um ihre Meinungen durchzusetzen. Extremismus jeglicher Art zerstört und schadet unserer Demokratie. In Zeiten wie diesen ist es wieder viel wichtiger geworden Haltung zu zeigen, um die Werte unserer Demokratie zu schützen und zu erhalten.

Die zunehmende Verrohung der Sprache und des Verhaltens werden nicht von alleine aufhören. Die Heftigkeit und Art der Gewalt haben sich verändert, die Hemmschwellen Gewalt anzuwenden sind weniger geworden.

In einem Satz:

Wir dürfen Opfer nicht alleine lassen ….. Jedes Leben ist kostbar!

 

Irene Durukan ist eine zivile Heldin. Sie hat eingegriffen, als auf der Straße vor Ihrem Schlafzimmerfenster ein junger Mann (Sebastian E.) brutal zusammengeschlagen wurde. Sie ließ es aber nicht dabei bewenden, die Polizei zu alarmieren, sondern rannte mitten in die Tätergruppe und konnte die Schläger, ohne körperlich einzugreifen, verbal davon abbringen, weiter auf das Opfer einzuschlagen. Als Irene Durukan einige Wochen nach der Tat zufällig den Täter wieder erkannte, sah sie es als ihre Verantwortung an, ihn zu identifizieren und vor Gericht gegen ihn auszusagen. www.muttutgut.org

 

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