Achtsamkeit, Vertrauen und Mut sind gefragt

Beantwortet vier Fragen der Zivilen Helden: Silke Gorges hat ein Gewaltpräventionsprogramm und ist Coach, Expertin und Spezialistin für Gewaltprävention

Mit der Rubrik „Vier Fragen an …“ möchten wir unterschiedliche Meinungen und Einstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln zum Thema Zivilcourage vorstellen und haben eine ganze Reihe an wichtigen Partnern und Experten befragt. Heute: Silke Gorges, Expertin für Sicherheitstraining, Gewaltprävention und Teamstärkung. Sie leitet in ihrer Firma „Stark durchs Leben“ Seminare und Fortbildungen – auch zum Thema Zivilcourage. 

1.) Was ist ein ziviler Held für Sie? Was macht für Sie einen zivilen Helden aus? 

„Zivile Helden“ sind für mich Mädchen und Jungen, Frauen und Männer jeden Alters, die anderen Menschen selbstverständlich und uneigennützig zur Seite stehen, wenn diese Hilfe benötigen.  „Zivile Helden“ haben eine klare Haltung, Verantwortungsgefühl und einem Sinn für Gerechtigkeit. Sie bekommen mit, was in ihrem Umfeld vorgeht und trauen sich bei Ungerechtigkeiten den Mund aufzumachen. Zivile Helden haben den Mut für demokratische und soziale Werte einzutreten, auch mal gegen den Strom zu schwimmen und im Alltag ihren Mitmenschen hilfreich zur Seite zu stehen, ohne dabei an sich selbst zu denken.

2.) Denken Sie, dass jeder zivilcouragiert handeln kann?

Ganz klar – Ja! Zivilcourage hat nichts mit dem Alter oder dem Geschlecht zu tun und kann auch erlernt werden. Wichtig für zivilcouragiertes Handeln sind jedoch die eigenen Werte, die Einstellung und die Bereitschaft sich nach den eigenen Fähigkeiten und Umständen für andere Menschen einzusetzen. Grundvoraussetzung sind hierbei Achtsamkeit im Alltag und Vertrauen in die innere Stimme, außerdem benötigt man Mut sich einzumischen um dem Opfer beizustehen.

3.) Wie können Menschen erreicht werden, sich für Toleranz und Demokratie einzusetzen?

Ich glaube, es hat etwas mit fehlender Verantwortung, Sensibilisierung und Unsicherheit zu tun. Die meisten denken einfach, dass sie nicht zuständig sind oder alleine nichts bewirken können. Aber das ist Quatsch. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie selbst die Täter/innen unterstützen, wenn sie zur schweigenden Masse gehören. Außerdem fehlen ihnen oft die Möglichkeiten und Ideen, was sie selbst machen könnten. Demokratie und Toleranz ist kein Selbstläufer, sondern muss von uns allen gelebt und aktiv umgesetzt werden. Hier scheitert es einfach oft an dem fehlenden Bewusstsein, den richtigen Informationen und dem Wissen um persönliche Handlungsmöglichkeiten.

Hiergegen muss man gezielt angehen und auch da kann jeder etwas dazu beitragen. Da ist zuerst mal jeder von uns gefordert in seinem sozialen Umfeld den Mund aufzumachen, seine Meinung zu sagen und eine klare Position zu vertreten. Auch mal mit Freunden, Familie und Kollegen ins Gespräch kommen und diese persönlich sensibilisieren. Dann kann ich Menschen natürlich auf ganz vielen Ebenen erreichen. Spezielle Schulungen in Firmen und Behörden oder ein paar Stunden im Unterricht zum Thema „Hilfeleistung und Mut“ in der Schule oder Ausbildung können da schon sehr viel bewirken. Hier erwarte ich von Männern und Frauen in Führungspositionen und mit Entscheidungsfunktion, dass sie das Thema ernst nehmen, sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich für spezielle Infoveranstaltungen, Workshops und Schulungen einsetzen. Auch in den Medien können viel mehr Handlungsmöglichkeiten, Umsetzung von demokratischen Werten und hilfreiche Tipps eingebaut werden. Wenn in Filmen, Serien, Büchern oder Computerspielen mehr vorbildliche Verhaltensweisen und entsprechende Handlungen eingebunden werden, dann werden diese selbstverständlicher und die Nutzer übernehmen diese für sich. Jedem muss klar sein, dass wir nicht nur verantwortlich sind für das was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

4.) Warum ist für Sie Zivilcourage so wichtig?

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und dankbar dafür, dass ich das Glück habe in einem demokratischen Land leben zu dürfen. Toleranz und Demokratie sind jedoch leider nicht für jeden selbstverständlich, sondern müssen von uns allen aktiv gelebt und geschützt werden. Respekt, Gerechtigkeit, Freiheit und Spaß am Leben sind mir persönlich ein großes Bedürfnis und grundlegende Pfeiler unserer Demokratie. Jedoch hört diese Freiheit für mich auf, wenn im Berufs- oder Privatleben die Würde und die Gefühle anderer Menschen verletzt und ignoriert werden. Ich bin der Meinung, dass jeder etwas dazu beitragen kann und muss, damit uns diese Werte erhalten bleiben. Hierfür sind nicht die Polizei oder unsere Politiker/innen und Lehrer/innen verantwortlich, sondern jeder von uns. Wenn ich Ungerechtigkeit mitbekomme, dann muss ich den Mut haben etwas dagegen zu tun, damit egoistische, rücksichtslose und respektlose Menschen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Und je mehr Menschen sich hier vertrauen, sich gegenseitig helfen und unterstützen und Verantwortung übernehmen, desto erfolgreicher können sie gegen Mobbing, Gewalt und Grenzüberschreitung angehen.

Aus diesem Grund möchte ich durch spezielle Schulungen, Workshops und Vorträge viele Menschen dazu bringen achtsamer zu werden, sich füreinander einzusetzen und sich gegenseitig mehr zu helfen. Mein Ziel ist es, Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln, Ressourcen und Mut zu fördern, wertschätzenden Umgang bewusst zu machen und Teams zu stärken, um ein entspanntes, respektvolles und erfolgreiches Miteinander im Beruf und im Alltag zu ermöglichen.

Von Günther B. 

Weitere Informationen: Stark durchs Leben 

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